Datacenter-Insider: Hybrides Quantencomputing-Rechenzentrum in Wien eröffnet

Es ist bekannt, dass Quantencomputer bis zu einem gewissen Grad auf einem klassischen Hochleistungsrechner simuliert werden können. Auch die Grenzen dieser Methode schienen bis jetzt bekannt zu sein. Der Quantencomputer-Pionier QMware mag diese Grenzen nicht anerkennen und definiert den Quantencomputer einfach auf innovative Weise neu.

Mit einem digitalen Grußwort der österreichischen Ministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort Margarete Schramböck wurde vergangenen Freitag in Wien das „Hybrid Cloud Data Center Alpha“ der Quantencomputing-Pioniere Terra Quantum und Novarion Systems eröffnet. Die unter dem Dach des Tier-IV-Rechenzentrums von NTT Data Centres Services installierte „hybride Quantencomputing-Cloud-Plattform für den kommerziellen Einsatz“, der in diesem Jahr noch weitere in ganz Europa folgen sollen, wird von QMware betrieben, einem Joint Venture der beiden Firmen.

Die beiden Gründer von QMware, Markus Pflitsch, CEO des schweizerischen Quantentechnik-Spezialisten Terra Quantum, und Georg Gesek, CEO des österreichischen High-Performance-Computing-Spezialisten Novarion bezeichnen QMware als Entwickler der ersten ‚Full-Stack‘ globalen Quantum Cloud mit offenen Standards. QMWare positioniert seine Quantum Cloud ganz bewusst als (bessere) europäische Alternative zu den Platzhirschen im Silicon Valley: „Basierend auf offenen Schnittstellen und Entwicklungswerkzeugen für Plattformen von Marktführern in anderen kommerziellen Segmenten liefert QMware GaiaX-kompatible Services, welche den föderalen Datenverarbeitungsrichtlinien nach europäischen Werten entsprechen“, sagt Gesek. Und Mitgründer Markus Pflitsch ergänzt: QMware bietet seinen Kunden einen einfachen Zugang zu GaiaX-kompatiblen Hybrid-Quantum-Cloud-Diensten. Dies geschieht in Kombination mit modernsten Quanten-Algorithmus-Design sowie quantenbasierter Künstlicher Intelligenz und Techniken für maschinelles Lernen von Terra Quantum.”

40 fehlerfreie logische Qubits

Der neuartige Ansatz von QMWare bezieht sich auf die Verbindung von klassischen Hochleistungs-Rechnern mit virtualisierten Quantenprozessoren in einem Softwarestapel. „Derzeit können wir bis zu 40 logische Quantenbits zur Verfügung stellen“, sagen die beiden QMWare-Partner, und fügen hinzu: „Das sind fehlerfreie Qubits, die mehr Rechenpower erbringen als das Vielfache nativer Qubits, mit denen Quantencomputer-Hersteller werben, die aber systembedingt immer noch hohe Fehlerraten aufweisen.“

Der wohl wichtigste Schatz des Unternehmens ist die Expertise bei der Erstellung von hybriden Quantenalgorithmen, die von der „speicherzentrierten hybriden Rechner-Architektur (bestehend aus CPU, GPU, virtualisierten und nativen Quanten-PU und demnächst auch neuromorphen Prozessoren) in integraler Weise verarbeitet werden. „Was wir erreicht haben, ist nichts weniger als ein neuer Industriestandard bei der Virtualisierung von Quantenprozessoren, der die Investition unserer Kunden vom ersten Tag an sichert. Jede hybride Quantencomputing-Anwendung, die in der QMware-Cloud gebaut wird, läuft unbegrenzt auf allen Nachfolgern der QMware-Plattform und jedem zukünftigen universellen Quantenprozessor von Drittanbietern, welchen wir integrieren“, erläutert Gesek selbstbewusst.

Quanten-Software mit Hardware-„Bodenhaftung“

Man könnte meinen, die Spezialisten bei QMWare (und dort speziell die Terra-Quantum-Leute) haben den Quantenrechner, der als Hardware derzeit eher einem Physik-Labor als einem klassischen Rechner ähnelt, auf raffinierte Weise „in Software nachempfunden“ und emulierten ihn auf einem klassischen Hochleistungsrechner. Das ist aber nur die halbe Geschichte. Tatsächlich abstrahiert der Hybrid-Ansatz von QMware das Quantencomputing in hohem Maße, bleibt aber trotzdem immer auch auf dem Hardware-Boden. „Unser Software-Stack ist in vielen Punkten äußerst hardware-nah, deshalb läuft er auch nicht auf einer x-beliebigen Cloud“, sondern nur auf unserer hybriden Quantum-Computing-Cloud“, erklären Plitsch und Gesek.

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